Archiv für die Kategorie 'Testberichte'

Nissan-Junkie

Sechs Kompakte im Test

Wer Mitglied in einem Golf-Club ist, hat es geschafft. Hier treffen sich die Erfolgreichen. Oder zumindest die, die sich dafür halten. Einer hat es geschafft, dem ganzen Club seinen Namen zu geben: na, wer wohl? Der Golf natürlich. Oft wurde sein Thron schon attackiert.

In der Kompakt-Klasse wird es enger. Jetzt sind die Koreaner da – mit europäischem Design und günstigen Preisen. Jüngster Mitspieler: der Hyundai i30.
 
Wer Mitglied in einem Golf-Club ist, hat es geschafft. Hier treffen sich die Erfolgreichen. Oder zumindest die, die sich dafür halten. Einer hat es geschafft, dem ganzen Club seinen Namen zu geben: na, wer wohl? Der Golf natürlich. Seit 1974 haben Legionen von neuen Mitgliedern versucht, im Golf-Club gut auszusehen. Gerade Toyota probiert mit dem neuen Auris zurzeit so ernsthaft wie nie zuvor, den Golf vom Sockel zu stoßen. Trotz riesiger Plakataktion, mit bislang eher dürftigem Erfolg: 8500 Neuzulassungen im ersten Halbjahr, VW verkaufte im gleichen Zeitraum bei uns 100.000 Golf/Jetta. Eine Momentaufnahme – klar, der Auris wird seinen Weg sicher noch machen. Doch leicht wird es auch für ihn nicht. Denn nun machen auch noch die Koreaner Ernst. Nach dem erfolgreichen Kia cee’d startet der Konzernbruder Hyundai i30 – beide entwickelt und gebaut in Europa.

Nissan-Junkie

Test Qashqai/CrossGolf/B-Klasse

Ein Golf für alle Fälle? Das war einmal. Heute gibt es für jeden Fall einen anderen Golf: Variant, Plus, und jetzt auch Cross. Hier muss der CrossGolf gegen Mercedes B-Klasse und Nissan Qashqai bestehen.

Nissan Qashqai

Heute gibt es für jeden Fall einen anderen Golf: Variant, Plus und jetzt auch Cross. Hier tritt er gegen Mercedes B-Klasse und Nissan Qashqai an.
 
Reden wir nicht von Designtrends, sondern von Ehrlichkeit. Demnach müssten Nissan und VW die Bezeichnung “Bluff” am Heck tragen. Das würde zwar sicherlich seltsam wirken, würde aber der Wahrheit entsprechen. Denn CrossGolf und Qashqai sehen wie Allradler aus, aber sie sind es nicht. Gut, Toyota hat diesen Täuschungsversuch erfolgreich mit dem RAV4 vorgemacht. Auch der hatte in seiner Basisversion zeitweilig nur Vorderradantrieb. Erfinder der rollenden SUV-Attrappen aber war vor 31 Jahren Matra mit dem Rancho. Um die Verwirrung komplett zu machen: Beim Nissan handelt es sich eigentlich nur um eine halbe Mogelpackung. Denn immerhin gibt es ihn mit den stärkeren Motoren gegen 1850 Euro Aufpreis als Allradler. Das macht den in England gebauten Japaner nicht gleich zur Bergziege, bringt ihn aber weiter als seine Frontantriebs-Brüder. Keinerlei Offroad-Ambitionen meldet die Mercedes B-Klasse an. Sie ist schlicht ein geräumiges Kompaktmodell mit einer erhöhten Sitzposition. Gemeinsam ist den Kandidaten aber der Versuch, die Golf-Klasse auszudehnen, neues Terrain zu erobern. Der Nissan Qashqai lockt als moderne Zwischengröße zwischen dem Wolfsburger Urmaß und der hohen B-Klasse , der geschminkte Hochdach-Golf trägt einfach nur dick auf. So ist sie, die neue Generation Golf. Etwas eitel, aber so kreativ wie nie zuvor.

Nissan-Junkie

Test Nissan X-Trail 2.0 dCi

Der neue X-Trail kommt – und kaum einer sieht es. Erst beim Fahren zeigt der kernige Bursche sein neues Gesicht.

Test Nissan X-Trail 2.0 dCi

Der neue Nissan X-Trail kommt – und kaum einer sieht es. Erst beim Fahren zeigt der kernige Bursche sein neues, sanftmütiges Gesicht.
 
Als SUV noch Geländewagen hießen, bewies Nissan schon ein feines Näschen, wohin die Reise gehen könnte. Mit dem X-Trail brachten die Japaner bereits vor sechs Jahren jenes Trendmobil ins Rollen, ohne das heute kaum noch ein Hersteller auskommen mag. Nach weltweit über 800.000 verkauften Exemplaren (bei uns über 50.000) geht ab dem 6. Juni nun bereits die zweite Generation des kompakten Freizeitautos an den Start. Optisch auf den ersten Blick nur schwer vom Vorgänger zu unterscheiden, setzt Nissan auf bewährte Taktik. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, deren Figuren immer mehr Rundungen und Pölsterchen aufweisen, zeigt der neue X-Trail weiterhin Mut zur Kante. “Viele unserer Kunden hätten am liebsten alles beim Alten gelassen” verteidigt Produkt-Manager Björn Krüger Nissans “geradlinig-ehrlichen” Karosserie-Kurs. Etwas langweilig, aber wenn’s wieder klappt … Natürlich sollte sich der X-Trail auch deutlich vom Neuen Mode-Rundstück Qashqai abgrenzen. Mit dem flotten Bruder teilt er sich übrigens die Bodengruppe. Beim X-Trail hat Nissan allerdings kräftig daran gezogen. 4,63 Meter ist der X-Trail jetzt, und damit eine Handbreit länger als ein BMW X3 . Seinen Vorgänger überflügelt er gar um 17,5 Zentimeter. In erster Linie profitiert das Gepäck davon. Allein der Laderaum wurde zehn Zentimeter länger und wuchs auf maximal 1773 Liter – Bestwert seiner Klasse, sagt Nissan. Die neue, flach bauende Hinterachse ermöglicht es, die Ladekante um elf Zentimeter abzusenken. Nissan füllt diesen Raum mit einem Lademodul inklusive Schubfach für Kleinkram, der sonst nervig klöternd rumfliegt. Weiter vorn verabschiedet sich der X-Trail vom Zentral-Cockpit. Es rückt wieder nach links, macht mittig den Platz für einen Sieben-Zoll-Bildschirm frei. Gemütliche Sitze, Materialien, die sich hochwertig anfühlen, sowie selbsterklärende Knöpfe und Tasten unterstreichen, dass Abenteuer hier unerwünscht waren. Wirkt alles sehr Pkw-like. Und genau das ist auch der Eindruck nach den ersten Metern hinterm Steuer. So sehr sich der X-trail auch bemüht, optisch den rauen Grenzgänger zwischen zwei Welten zu spielen, so ist er im Kern doch ein bemerkenswert sanftmütiger Typ. Er versucht gar nicht erst, den Dynamiker à la BMW X3 vorzugaukeln und verzichtet gänzlich auf die harte Tour. Äußerst komfortabel federt der Allradler seine Insassen selbst über üble Pisten und verwöhnt mit einem unerwartet niedrigen Geräuschniveau. Dass er sich in allzu engagiert genommenen Kurven etwas zu stark zur Seite neigt und merklich kopflastig untersteuert, dürfte die typischen X-Trail-Kunden kaum stören. Die fahren nicht so. Sticht man doch mal zu optimistisch in eine Biegung, helfen meist ESP (jetzt stets serienmäßig), elektronische Bremskraftverteilung (EBD), Antiblockiersystem und das nochmals überarbeitete All-Mode-4×4-System aus der Patsche. Das soll jetzt noch schlauer sein und alles Mögliche überwachen. Diverse Sensoren melden einem Zentralrechner, was da draußen auf der Straße abgeht. Das Superhirn schickt dann blitzschnell die Kraft dem Rad mit der besten Haftung rüber. Zusätzlich unterstützen nun elektronische Helfer den Fahrer bei steilen Abfahrten und beim Anfahren am Berg. Klingt gut und ist es auch, wie erste Abstecher ins Gelände zeigen. Zu den Preisen: Bei 26.990 Euro geht es los. Dafür gibt’s einen komplett neuen Zweiliter-Benziner mit 141 PS, ab 30.040 Euro einen 2,5-Liter mit 169 PS. Wer dieseln möchte, muss mindestens 29.440 Euro anlegen und bekommt den von uns gefahrenen, kräftigen und völlig ausreichenden 150-PS-dCi. 20 Diesel-PS mehr kosten ab 32.140 Euro. Beide Selbstzünder kommen von Renault und haben serienmäßig Partikelfilter druntergeschnallt. Eine saubere Entscheidung.

Der frische Nissan X-Trail kommt mit neuem Dieselmotor – und erstmals mit einer Automatik. Einen Konkurrenten mit gleichen Anlagen findet er im Land Rover Freelander 2.

Nissan X-Trail

Der Nissan X-Trail kommt mit neuem Diesel – und erstmals mit Automatik. Sein Konkurrent: der Land Rover Freelander 2. Wer schnürt das bessere Paket?
 
Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt: Modelle wie Nissan X-Trail oder Land Rover Freelander müssen keine Tests gewinnen, um zu den Siegertypen zu zählen. Sie sind automatisch vorn – wegen ihres Konzepts. Denn kompakte SUV kommen gerade klasse an. Mit ebenso starken wie sparsamen Dieselmotoren finden sie erst recht anständigen Absatz. Der zweiten Auflage des X-Trail gelang damit am 30. Juni 2007 ein hervorragender Start in die nächste Runde. Ähnlich gut sind die Karrierechancen des Land Rover Freelander 2: Auch er, den es seit Jahresbeginn gibt, gehört noch zu den hoffnungsvollen Neuerscheinungen. Was die beiden ab sofort noch interessanter macht: Sowohl den Nissan-Diesel als auch den Ölbrenner von Land Rover gibt es endlich auch mit einem Automatikgetriebe. Das ist in dieser Klasse eher selten, obwohl es bestens zum Cruising-Charakter der Kompakt-SUV passt. Laut Nissan soll die Automatik gut 30 Prozent zusätzliche Kunden bringen.