Nissan-Junkie

Nissan Cedric

Wo der Londoner scharf pfeift, der New Yorker die Hand hebt und der Deutsche “Hallo Taxi” ruft, heißt es in Tokio freundlich: “Untenshu-San Onegai!” Dann stoppt entweder ein Toyota Crown – oder ein fabrikneuer Oldtimer: der Nissan Cedric.

Nissan Cedric

Wer durch die Roppongi Hills in Tokio schlendert, wähnt sich in der Stadt der Zukunft. Selten sieht man so viel futuristische Architektur so dicht gedrängt beisammen. Beim Blick auf die Straße jedoch holt einen schnell die Gegenwart wieder ein: Zumindest die Taxiflotte in Japans Hauptstadt sieht nämlich ziemlich alt aus.

Während Taxikunden in Deutschland meist in den neuesten Mittelklassemodellen chauffiert werden oder in Los Angeles oft genug ein Toyota Prius als Taxi hält, sind es die Tokioter gewohnt, in fabrikneues Altmetall zu steigen.

Zum Beispiel in den Nissan Cedric, eine barocke Limousine, die seit 1987 nahezu unverändert gebaut wird und in den Straßen von Tokio oder Hiroshima einen Marktanteil von gut 40 Prozent hat. Privatkunden lassen den kantigen Klassiker längst links liegen, so dass Nissan das Modell vor fünf Jahren schon einstellen wollte. Doch das scheiterte an der großen Nachfrage aus dem gewerblichen Bereich. Die Produktionsbänder liefen weiter, mit gedrosseltem Tempo zwar, doch knapp 4000 Autos pro Jahr werden im Werk Kanagawa noch produziert – ausschließlich als Taxi.

Mit den wichtigsten Ausstattungsdetails liefert Nissan den Wagen zu Preisen zwischen umgerechnet etwa 12.000 bis 16.000 Euro ab Werk. Die Extras reichen vom typischen Taxi-Lack Kanariengelb über den Taxameter bis zum kleinen Leuchtturm auf dem Dach. Selbst die blütenweißen Schonbezüge, die an Klöppelwaren norddeutscher Großmütter erinnern, kann man mitbestellen. Nur die weißen Handschuhe, die noch im schmuddligsten Tokio-Taxi zur Zierde des Fahrers zählen, liegen nicht im Handschuhfach.

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